Berliner Testament – Pro und Contra

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Berliner Testament - Pro und Contra von Malte Wilkens - GenerationenBerater der Volksbank Stade-Cuxhavenmein Name ist Malte Wilkens, ich arbeite als Kundenberater und IHK-zertifizierter GenerationenBerater in der Geschäftsstelle Hemmoor der Volksbank Stade-Cuxhaven eG.

Nachdem meine Kollegen sich sowohl mit den Vorteilen einer GenerationenBeratung im Allgemeinen beschäftigt haben als auch bereits auf konkrete Themen wie Vorsorge-Vollmacht, Patientenverfügung und Elternunterhalt eingegangen sind, werde ich in diesem Beitrag näher das „Berliner Testament“ beleuchten.

Grundsätzlich ist es schon einmal sehr vernünftig, überhaupt ein Testament zu verfassen. Der Bereich „Testament“ ist daher auch eine der 4 wichtigen Säulen unserer GenerationenBeratung. Ansonsten übernimmt im Zweifel der Staat die Verteilung des Erbes an die Hinterbliebenen, was nicht notwendigerweise auch dem Willen des oder der Verstorbenen entsprechen muss.

Das sogenannte „Berliner Testament“ ist unter Eheleuten sehr verbreitet und hat wieder Erwarten seine Ursprünge nicht in der Berliner Praxis, sondern geht auf Formulierungen des Bayerischen Landrechts zurück. Trotz seiner Popularität beinhaltet diese spezielle Form der Nachlass-Regelung doch auch einige Aspekte, die unter Umständen zu Unklarheiten oder sogar Streitfällen nach dem Ableben eines Ehepartners führen können.

Im Berliner Testament setzen sich beide Ehepartner gegenseitig als Alleinerben ein, um sicherzustellen, dass der geliebte Partner auch nach dem eigenen Tod weiterhin versorgt bleibt. Die gemeinsamen Nachkommen werden erst einmal von der Erbfolge ausgeschlossen und müssen auf den guten Willen des überlebenden Elternteils hoffen. Diese Vorgehensweise zielt hauptsächlich auf das früher vorherrschende Familienmodell ab: Zwei Elternteile, die verheiratet sind und eines oder mehrere gemeinsame Kinder haben. Das Erbe soll so komplett wie möglich von Generation zu Generation weitergegeben, Zwangsverkäufe (zum Beispiel Immobilien) unter Wert vermieden werden.

Mittlerweile sieht die Realität oft anders aus: Patchwork-Familien sind sehr verbreitet, unterschiedlichste Konstellationen führen zu komplizierten Erbfolgen, Ausschlüssen und Zusätzen, die das ursprünglich recht kompakte Berliner Testament immer ungeeigneter für solche Fälle machen. Kranke Kinder, die auf Pflege angewiesen sind, benötigen oft sofort erhebliche Summen und können nicht auf das Schluss-Erbe warten, Stiefkinder gehen weitestgehend leer aus, obwohl der Verstorbene dies ausdrücklich vermeiden wollte.

Ein völliger Ausschluss der eigenen oder angeheirateten Kinder wird auch mit dem Berliner Testament nicht durchgesetzt werden können. Der Pflichtteil kann nach wie vor eingeklagt werden, mit einer Zusatzregelung ist es lediglich möglich, das einfordernde Kind als „Strafe“ von der Schlusserbschaft auszuklammern.

Steuerfreibeträge der Kinder können unter Umständen auch wegfallen, wenn die Eltern ein Berliner Testament vereinbaren.

All diese Punkte gilt es zu beachten, wenn ein Testament, gemeinsam oder einzeln aufgesetzt werden soll. Das Konzept GenerationenBeratung beinhaltet keine Rechts- oder Steuerberatung. Es können lediglich Tipps mit dem Verweis an weitere Spezialisten, wie Rechtsanwälte, Notare, Steuerberater oder Ärzten, gegeben werden.

Rufen Sie uns gerne an oder schreiben Sie uns eine E-Mail, egal, ob Sie jetzt nur eine Einzelfrage klären oder gleich einen Termin vereinbaren wollen.

Mein Kollege Dennis Marschewski aus Jork greift im kommenden Blogbeitrag das Thema „Vermögensübertragung zu Lebzeiten“ auf, seien Sie gespannt!

Beste Grüße,

Malte Wilkens
GenerationenBerater IHK der Volksbank Stade-Cuxhaven in Hemmoor
Telefon: 0 47 71 / 60 09-28
E-Mail: malte.wilkens(at)vobaeg.de