Pflegereform: Aus 3+1 Stufen werden 5 Grade – Was sich für Pflegebedürftige ändert.

Pflegereform 2016/2017 und die Auswirkungen

Guten Tag,

Pflegereform - Stefam Heins - GenerationenBerater der Volksbank Stade-Cuxhavenmein Name ist Stefan Heins, ich bin als IHK-zertifizierter GenerationenBerater in der Geschäftsstelle Steinkirchen der Volksbank Stade-Cuxhaven eG tätig.

Nach den interessanten Artikeln meiner Kollegen werde ich auf Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen in der Pflegeversicherung eingehen. Mein erster Blogbeitrag auf dieser Seite dreht sich um die Auswirkungen der Pflegereform 2016/2017.

Das zweite Pflegestärkungsgesetz wird als die größte Reform in der gesetzlichen Pflegeversicherung angesehen. Am augenscheinlichsten ändert sich die Bezeichnung der Kriterien, aber auch in die  grundsätzliche Betrachtung des Begriffs „Pflegebedürftigkeit“ flossen aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen mit ein. Lassen Sie mich zuerst die neue Herangehensweise erläutern, dann behandle ich die daraus resultierenden fünf Pflegegrade:

Aufgrund der demografischen Entwicklung unserer Gesellschaft lässt sich eindeutig feststellen, dass der Anteil der Rentner stetig steigt und dementsprechend auch immer mehr Menschen immer länger pflegebedürftig sein werden. Dieser Tendenz muss natürlich im wahrsten Sinne des Wortes Rechnung getragen werden. Weiterhin nimmt auch der Anteil von Demenzerkrankten weiter zu.

Die bisherigen Regelungen unterschieden vornehmlich zwischen körperlichen und geistigen Einschränkungen und leiteten daraus die entsprechenden Pflegestufen ab. Nun sind aber gerade Demenzerkrankte körperlich oft noch sehr fit, können aber ihren Alltag trotzdem nicht mehr alleine stemmen. Nach den Pflegestufen I bis III fielen diese Betroffenen oft durch das Raster und erhielten nur aufgrund der Einordnung in die Pflegestufe 0, die für Personen geschaffen wurde, die keinen oder nur sehr geringen Pflegebedarf haben, eine Minimal-Versorgung an Pflegegeld- und Sachleistungen. Die Pflegereform 2016/2017 richten nun den Fokus von der Pflegebedürftigkeit auf den Grad der persönlichen Selbstständigkeit. Meiner Meinung nach eine sehr lobenswerte Vorgehensweise.

Zur Beurteilung der notwendigen Unterstützung werden jetzt sechs Bereiche betrachtet, die Auswirkungen auf die Selbstständigkeit eines Menschen haben können:

  • Mobilität
    Inwieweit kann sich die Person ohne fremde Hilfe noch in den eigenen vier Wänden bewegen oder die Wohnung verlassen?
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
    Orientierung in Zeit und Raum, Verstehen von Zusammenhängen, Führen von Gesprächen
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
    Belastungen, Ängste, Schlafstörungen, Aggressionen, Ablehnung von Hilfe
  • Selbstversorgung
    Nahrungsaufnahme, Körperpflege, selbstständig An- und Ausziehen
  • Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
    Regelmäßige und sichere Einnahme von Medikamenten, Messen und Interpretieren von Körperwerten, Bedienung medizinischer Hilfen, Aufsuchen von Arztpraxen
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte
    Planung des Tagesablaufs, Aufrechterhalten sozialer Kontakte, regelmäßige Teilnahme an Veranstaltungen oder Treffen

Diese Bereiche werden analysiert und die Einschätzung dann nach einem bestimmten Schlüssel einer Gesamtpunktzahl zugeordnet, die in einer der fünf Pflegegrade mündet:

  • Pflegegrad 1: geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit
    (ab 12,5 bis unter 27 Gesamtpunkte)
  • Pflegegrad 2: erhebliche Beeinträchtigung der Selbständigkeit
    (ab 27 bis unter 47,5 Gesamtpunkte)
  • Pflegegrad 3: schwere Beeinträchtigung der Selbständigkeit
    (ab 47,5 bis unter 70 Gesamtpunkte)
  • Pflegegrad 4: schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit
    (ab 70 bis unter 90 Gesamtpunkte)
  • Pflegegrad 5: schwerste Beeinträchtigung der Selbständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung
    (ab 90 bis 100 Gesamtpunkte)

Auf diese Weise kann den tatsächlichen Bedürfnissen der betroffenen Personen besser genügt werden. Eine Verschlechterung im Gegensatz zur bisherigen Einstufung wird es auch nicht geben, da ein umfassender Bestandschutz integriert wurde.

Mein Fazit:
Diese Pflegereform geht eindeutig in die richtige Richtung, wichtige Anpassungen an die veränderten Lebensrealitäten unserer heutigen Gesellschaft wurden umgesetzt. Trotz finanzieller Verbesserungen in einigen Bereichen konnte aber auch durch diese Gesetzesänderung nicht das grundsätzliche Problem vieler Menschen gelöst werden: die nicht ausreichende Abdeckung der finanziellen Risiken einer Pflegebedürftigkeit. Eine ergänzende private Vorsorge wird auch weiterhin nötig sein, um nicht auch noch nachfolgende Generationen durch die enormen Kosten einer umfassenden Pflege bis ins hohe Alter zu beeinträchtigen.

Für weitere Informationen zur Pflegereform 2016/2017 zum zweiten Pflegestärkungsgesetz und passenden Vorsorgemöglichkeiten stehen meine Kollegen und ich Ihnen selbstverständlich sehr gerne zur Verfügung.

Den nächsten Blogbeitrag wird mein Kollege Harald Schedler aus Nordleda verfassen, er nimmt sich dann der staatlichen Pflegeförderung an.

Viele Grüße,

Stefan Heins
GenerationenBerater IHK der Volksbank Stade-Cuxhaven in Steinkirchen
Telefon: Telefon: 0 41 42 / 81 18-15
E-Mail: stefan.heins(at)vobaeg.de